Zeitschriftenbericht »Wir kaufen keinen Mercedes:
Boykottiert Streumunition!«
in Ohne Rüstung Leben Informationen 121, 2. Quartal 2007


Wir kaufen keinen Mercedes:
Boykottiert Streumunition!

Von Paul Russmann

Es mutet zunächst seltsam an, wenn Aktionäre zum Boykott ihrer eigenen Produkte aufrufen. Genau das jedoch taten die von Ohne Rüstung Leben koordinierten Kritischen Aktionäre DaimlerChrysler (KADC). Pünktlich zur Hauptversammlung des größten deutschen Automobilkonzerns im Berliner Kongresszentrum startete die Aktion »Wir kaufen keinen Mercedes«. Vor und in der Hauptversammlung wurden Besucherinnen und Besucher sowie Vorstandschef Dieter Zetsche mit dem Boykottaufruf konfrontiert. Dieter Zetsche hatte sich vor Beginn der Veranstaltung für einen »Shake-hands-Fototermin« mit Aktionären im Showroom angekündigt. »Ich werde versuchen ihm die Hand zu schütteln und dabei unsere neue Kampagne >Wir kaufen keinen Mercedes - Boykottiert Streumunition< vorzustellen. Ich bin gespannt wie er reagiert«, sagte KADC-Sprecherin Beate Winkler in die sie begleitende Fernsehkamera des Senders Rundfunk Berlin-Brandenburg.

»Man kann nicht mit jeder Sache Geld verdienen«

Und tatsächlich: Daimler-Vorstand Dieter Zetsche steuerte direkt auf Beate Winkler zu. Er begrüßte sie freundlich und es gelang ihr, ihm eine Aktionskarte zu überreichen. Dieter Zetsche reagierte irritiert auf die Ankündigung der Boykottaktion: »Nicht jeder kann Mercedes kaufen. Sie sind limitiert.« Aber nicht jeder reagierte so ruhig wie Dieter Zetsche. Ein älterer Aktionär forderte Beate Winkler lautstark auf: »Schafft erst den Krieg ab, dann könnt ihr die Waffen abschaffen. Ich will nur, dass ihr die deutsche Wirtschaft nicht kaputt macht mit einem solchen saublöden Aufruf.« Sofort bildete sich eine Traube um die kritische Aktionärssprecherin. Mehrere Aktionäre solidarisierten sich mit der Aktion. »Man kann nicht mit jeder Sache Geld verdienen« oder »natürlich muss man erst die Waffen abschaffen« lauteten ihre Kommentare.

Als Hauptaktionär der EADS hauptverantwortlich für Streumunitionswerfer

Die KADC-Sprecher erläuterten in ihren Stellungnahmen vor der Presse und in den kritischen Redebeiträgen den gut achttausend Aktionärinnen und Aktionären die Hintergründe und Ziele der Aktion »Wir kaufen keinen Mercedes«: »Als hauptverantwortlicher Aktionär beim Luft-, Raumfahrt- und Rüstungskonzern EADS mit 15 Prozent der Aktien und 22,5 Prozent der Stimmrechte trägt DaimlerChrysler auch die Hauptverantwortung für die Entwicklung von Raketenwerfern für Streumunition bei der Daimler/EADS-Beteiligung MBDA. So kann beispielsweise der Raketenwerfer MLRS innerhalb von wenigen Minuten einen Quadratkilometer mit 8.000 Stück Streumunition verseuchen. Das entspricht einer Fläche von 150 Fußballfeldern. Ausgestattet mit einer hohen Blindgängerquote wirkt Streumunition ähnlich wie Minen: Ganze Landstriche werden unzugänglich, Landwirtschaft wird unmöglich - eine tickende Zeitbombe für die Bevölkerung. Streumunition verstößt unseres Erachtens gegen die Genfer Konvention, da diese wahllose Angriffe verbietet. Sowohl DaimlerChrysler als auch EADS haben den ,United Nations Global Compact' unterzeichnet und sich damit zum Schutz der Menschenrechte verpflichtet. Unser Ziel ist, den Vorstand und Aufsichtsrat von Daimler durch eine aktionsorientierte öffentliche Imagekampagne zur Aufgabe der Erforschung, Entwicklung und Produktion von Streumunition bzw. Streumunitionswerfern zu veranlassen.«

Streumunitionswerfer verschwindet plötzlich von der Website

Was die Produktion von Raketenwerfern für Streumunition betrifft, fährt der Konzern offenbar eine beinharte Verschleierungstaktik. Thomas Küchenmeister vom Bündnis Landmine.de erläuterte auf der Pressekonferenz der Kritischen Aktionäre, dass beispielsweise die Lenkwaffe AFDS, die ausschließlich dem Abwurf von Streumunition dient, im aktuellen EADS-Geschäftsbericht nach wie vor als Schlüsselprodukt der EADS auftaucht. Von der Website des Konzerns sei sie jedoch plötzlich verschwunden.

Handicap International begrüßt Boykottaktion ausdrücklich

Eva Maria Fischer, Pressesprecherin der Hilfsorganisation Handicap International begrüßt »die neue Aktion der Kritischen Aktionäre DaimlerChrysler ausdrücklich. Wir wissen aus unserer Arbeit in betroffenen Gebieten, welche schreckliche Bedrohung Streumunition in Ländern wie dem Libanon für unschuldige Zivilisten bedeuten, für Bauern bei der Ernte oder spielende Kinder. Die Raketenwerfer für Streumunition, an deren Produktion die EADS und damit indirekt DaimlerChrysler beteiligt sind, wurden bisher nach unseren Informationen noch nicht eingesetzt - und so soll es auch bleiben.«

Wir kaufen keinen Mercedes: Boykottiert Streumunition!

Unsere drei zentralen Forderungen an den Daimler-Konzern sind:
- Ausstieg aus der Streumunition
- Räumgeräte statt Raketenwerfer
- einen Fonds für die Opfer von Streumunition.

Weitere Exemplare der Aktionskarten zum Verteilen können Sie bei der Geschäftsstelle von Ohne Rüstung Leben kostenlos anfordern.

Paul Russmann